Jeden Monat dasselbe.
Ich wache auf und merke: heute ist es anders. Der Kopf ist klarer. Die Stimmung leichter. Ich habe Ideen, Lust, das Gefühl, dass ich gerade wirklich ich bin.
Und sofort, wirklich sofort, kommt dieser Gedanke:
„Okay. Jetzt muss ich das nutzen."
Schnell das Reel aufnehmen. Den Blogartikel schreiben. Die To-dos aufholen, die schon zu lang liegen. Das Business voranbringen. Die Chance nutzen. Wer weiß schon, wie lange das anhält.
Mir ist vor kurzem erst bewusst geworden, wie tief dieser Gedanke eigentlich in mir sitzt.
Nicht nur im Business, sondern überall.
Ich dachte lange, es liegt an mir
Ich hab mir jahrelang eingeredet, dass mein Problem Disziplin ist.
Dass andere das irgendwie besser hinkriegen. Regelmäßig posten, ein Business aufbauen, Sport machen, Kinder haben, alles unter einen Hut kriegen. Und ich? Immer wieder diese Wellen. Mal richtig dabei, mal komplett weg. Phasen, in denen ich motiviert war, viel gemacht habe, kreativ war, Ideen hatte; und dann wieder Tage oder Wochen, in denen alles zu viel wurde.
Ich hab mich dafür verurteilt. Immer und immer wieder, weil ich dachte: Wenn ich wirklich erfolgreich sein wollte, müsste ich doch konstant sein.
Aber irgendwann habe ich etwas verstanden: ich komme eigentlich immer zurück. Trotz Kindern, trotz Erschöpfung, trotz den Momenten, wo ich sicher war, dass es diesmal wirklich vorbei ist.
Das ist keine Inkonsequenz. Das ist Durchhalten in einer Form, die ich vorher nicht als solche anerkannt habe.
Was wirklich passiert ist
Wenn ich ehrlich bin, war das Muster bei mir nie "faul und dann fleißig".
Es war eher: ich funktionierte lange, hielt lange durch, dachte viel nach und sammelte innerlich. Ich wollte alles richtig machen, nichts liegen lassen, meine Zeit effizient nutzen, vorankommen und sobald ich Energie hatte, schaltete ich automatisch auf Vollgas.
Das Problem dabei war, dass meine guten Phasen nie wirklich ruhig waren. Sie standen immer unter diesem leisen Druck: Jetzt darfst Du keine Zeit verlieren. Jetzt musst Du beweisen, dass Du es ernst meinst.
Und genau das hat mich immer wieder in die nächste Erschöpfung gefahren. Nicht die schlechten Tage allein, sondern dieses ständige Kippen zwischen Vollgas und Energielosigkeit.
Was ich gerade lerne
Ich lerne gerade, meine Energie nicht sofort zu verbrennen, wenn sie da ist. D.h. ich darf mich auch einfach mal gut fühlen, ohne sofort alles optimieren zu müssen. Das klingt eigentlich simpel, ist es für mich aber nicht. Es ist eine riesige Umstellung, denn mein Kopf sagt noch immer: wenn Du die gute Phase nicht nutzt, verlierst Du Zeit. Aber ich glaube inzwischen, dass ich viel mehr Zeit verliere durch die Extreme. Durch dieses alles geben, alles aufholen, mich antreiben und dann wieder komplett leer sein.
Ich arbeite gerade damit, früher zu merken, in welchem Modus ich eigentlich bin. Ob ich gerade wirklich Kapazität habe oder nur so tue als ob, weil ich Angst habe, stehenzubleiben.
Ich nenne es für mich den Ampel-Energiemodus (ganz einfach Grün, Gelb, Rot). Nicht als starre Kategorien, sondern als ehrliche Abfrage: wo stehst Du heute WIRKLICH?
Bei Grün frage ich mich inzwischen nicht mehr "was kann ich heute alles schaffen", sondern "was wäre heute genug". Das ist ein riesiger Unterschied.
Bei Gelb, wenn ich merke, dass die Gereiztheit steigt und alles schneller nervt, fahre ich die Erwartungen aktiv runter. Minimalversion. Kein Aufholen.
Bei Rot, wenn alles sinnlos wirkt und ich am liebsten gar nichts mehr machen will, treffe ich keine Businessentscheidungen. Ich stabilisiere nur und erinnere mich daran, dass es ein Zustand ist, nicht meine Persönlichkeit.
Was sich für mich verändert hat
Ich habe meine Definition von Konsistenz geändert.
Früher: Konsistenz bedeutete nie aussetzen.
Heute: Konsistenz bedeutet immer wieder zurückkommen, trotz schlechter Tage oder trotz Pausen.
Habe gemerkt, dass ich tatsächlich immer wieder zurückkomme und ich lerne gerade, die guten Phasen auch mal ruhig zu erleben, ohne sie sofort wieder in Druck zu verwandeln. Das ist für mich gerade die eigentliche Arbeit. Nicht mehr Strategie. Nicht mehr System, sondern weniger innerer Alarm und Kampf.
